Netflix plant für Danny Boyles „Ink“ einen Kinostart im Dezember, dem im Januar die Streaming-Premiere folgen soll. Damit baut der Dienst seine Kampagne für die Awards-Saison rund um das Rupert-Murdoch-Drama auf. Dieser Bericht stützt sich auf Recherchen von Variety.
„Ink“ wurde von James Graham nach seinem für den Tony nominierten Theaterstück adaptiert und erzählt von Murdochs Kauf des angeschlagenen Boulevardblatts The Sun im Jahr 1969 und dessen anschließender Umgestaltung. Guy Pearce spielt den jungen Murdoch, Jack O’Connell den Redakteur Larry Lamb. Der Film eröffnete die 83. Ausgabe der Filmfestspiele von Venedig im Wettbewerb und erhielt am Eröffnungsabend vier Minuten stehende Ovationen. Auch aus Telluride und Toronto kamen erste positive Reaktionen, berichtete Variety.
Der Ausgang der Preisverleihungssaison ist weiterhin offen. Pearce, der zuvor für seine Nebenrolle in „The Brutalist“ für den Oscar nominiert war, wird als möglicher Kandidat in der Kategorie Nebendarsteller gehandelt. O’Connell, zu dessen jüngeren Arbeiten „Sinners“ und die „28 Years Later“-Filme zählen, trifft laut Variety auf ein stark besetztes Feld in der Kategorie Bester Hauptdarsteller.
Folgenabschätzung
Die Veröffentlichungsstrategie von Netflix könnte die Aufmerksamkeit der Festivals in eine anhaltende Sichtbarkeit der Kampagne verwandeln, bevor der Film das Streaming-Publikum erreicht. Für Pearce und O’Connell könnte dies die Präsenz in der Awards-Saison erhöhen, auch wenn Kategorieentscheidungen und konkurrierende Leistungen den Nutzen begrenzen könnten.
Auch Programmkinos könnten von einem auf die Awards-Saison ausgerichteten Start im Dezember profitieren, falls das Publikum den Film vor seinem Streaming-Start sehen möchte. Dieser Vorteil könnte jedoch nur kurz anhalten: Die Verfügbarkeit bei Netflix im Januar würde den exklusiven Zeitraum für Kinos verkürzen.
Szenarien
Unsere Einschätzung (fundierte Spekulation)
Am wahrscheinlichsten: Wenn Netflix an seinem Plan mit Kinostart im Dezember und Streaming-Premiere im Januar festhält, könnte „Ink“ den Winter über von einer anhaltenden, auf die Schauspieler fokussierten Kampagne profitieren. Pearce und O’Connell würden mit dem näher rückenden Kinostart stärker in der Branche wahrgenommen, während die Streaming-Premiere anschließend den Zugang ausweiten würde. Anhaltend positive Festivalreaktionen und wachsende Aufmerksamkeit für die Awards-Kampagne würden diesen Verlauf stützen.
Positives Szenario: Wenn der Film seine positive Resonanz hält und bei wichtigen Vorläuferpreisen berücksichtigt wird, könnte Netflix die Zahl der Kinobuchungen ausweiten. Kinos erhielten damit einen größeren Titel für die Awards-Saison, und Pearce und O’Connell würden in ihren jeweiligen Schauspielkategorien gestärkt. Die größere Sichtbarkeit könnte den Streaming-Start im Januar für Netflix zu einer prominenteren Veröffentlichung machen.
Negatives Szenario: Wenn spätere Reaktionen von Publikum und Branche weniger begeistert ausfallen oder konkurrierende Filme die Aufmerksamkeit in der Awards-Saison auf sich ziehen, könnte „Ink“ vor dem Streaming-Start auf ein begrenztes Kinoangebot beschränkt bleiben. Das würde Netflix’ Spielraum für die Kampagne verringern und die Sichtbarkeit der Schauspieler in der Awards-Saison weitgehend unverändert lassen.
Worauf als Nächstes zu achten ist
Die Bestätigung der Kinostart- und Streaming-Zeiträume im Dezember beziehungsweise Januar durch Netflix wird der erste konkrete Prüfstein sein. Weitere Signale sind eine mögliche Ausweitung des Kinostarts sowie die Frage, ob wichtige Preisverleihungsorganisationen „Ink“, Boyle, Pearce oder O’Connell berücksichtigen.
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