Was sich geändert hat
Das 51. Toronto International Film Festival beginnt am Donnerstag und bietet zehn Tage lang Premieren, Oscar-Anwärter und Verhandlungen über Vertriebsrechte. Erwartet werden mehr als 6.000 Marktteilnehmer, gegenüber 1.000 im vergangenen Jahr, während TIFF seine Rolle als Filmmarkt ausbaut, berichtet AP Business.
Verleiher werden nach einem weiteren Überraschungserfolg suchen, nachdem Curry Barkers für 1 Million Dollar produzierter Independent-Horrorfilm Obsession beim Festival im vergangenen Jahr Premiere hatte. Barkers Produktion wurde für 15 Millionen Dollar an Focus Features verkauft und entwickelte sich später zu einem Blockbuster mit einem Einspielergebnis von 512 Millionen Dollar.
Zu den herausragenden Titeln in diesem Jahr zählen Being Heumann mit Ruth Madeley als Pionierin der Behindertenrechtsbewegung Judy Heumann; Chris Rocks Misty Green; The Life and Deaths of Wilson Shedd mit Amanda Seyfried; Cynthia Erivos Prima Facie; Zack Snyders The Last Photograph sowie Peter Farrellys I Play Rocky mit Anthony Ippolito als jungem Sylvester Stallone. Zu den Musikdokumentarfilmen gehören Werke über Blackpinks Lisa Manobal, Chrissie Hynde, Darlene Love, Chaparelle und Neil Peart.
Warum das wichtig ist
TIFF bündelt Filme und Käufer in einem zehntägigen Zeitplan. Dadurch entsteht ein enges Zeitfenster für Vertriebsabschlüsse, während Käufer unter gleichzeitig stattfindenden Premieren Prioritäten setzen müssen. Filme aus Venedig und Telluride werden den Wettbewerb um Aufmerksamkeit verschärfen.
Der Publikumspreis von TIFF, der People’s Choice Award, ist zudem ein Signal für die Saison der Preisverleihungen. Seit 2012 erhielt jeder Gewinner mit einer Ausnahme später eine Oscar-Nominierung als bester Film. Im vergangenen Jahr gewann Hamnet.
Wie sich die Auswirkungen ausbreiten könnten
Starke Reaktionen des Publikums, Rezensionen oder die Anziehungskraft prominenter Darsteller könnten für ausgewählte Filme konkurrierende Angebote auslösen und deren Verkäufern mehr Verhandlungsspielraum bei den Vertriebsbedingungen verschaffen. Ein Vertrag könnte einem unabhängigen Filmemacher Zugang zu Kinos oder Streamingdiensten, Finanzierung oder einem breiteren Start ermöglichen, während Filme, denen die Aufmerksamkeit weniger dauerhaft gilt, Schwierigkeiten haben könnten, vergleichbare Zusagen zu erhalten.
Der größere Kreis der Marktteilnehmer verbessert den Zugang zu Käufern, doch das dicht besetzte Programm könnte diesen Zugang auf etablierte Stars, Regisseure und Filme konzentrieren, die aus anderen Festivals bereits Rückenwind mitbringen. Die Wirkung hängt davon ab, ob die Marktteilnehmer an Verhandlungsterminen teilnehmen, die Filme starke Reaktionen auslösen und die Rechteinhaber ihre Projekte für Verhandlungen anbieten.
Das Ergebnis des People’s Choice Award könnte Kinobetreiber und Kampagnen für Auszeichnungen beeinflussen. Wenn der ausgewählte Film zugleich ein breites kommerzielles Potenzial zeigt, könnten Kinos Säle reservieren und Verleiher ihre Öffentlichkeitsarbeit sowie ihre Ausgaben für die Oscar-Kampagne erhöhen. Diese Wirkung wäre geringer, wenn die Anziehungskraft des Films hauptsächlich auf seinem Festivalprestige beruht.
Einschätzung der Auswirkungen
In den kommenden Wochen werden Verleiher in einem konzentrierten Markt mehr potenzielle Filmeinkäufe prüfen. Die größere Zahl an Marktteilnehmern dürfte jedoch nicht zu gleich großen Chancen für alle Filme führen. Käufer werden Besetzung, Kritiken, Publikumsreaktionen, Genre, Startpotenzial und Aussichten auf Auszeichnungen abwägen.
Eine kleine Gruppe besonders gut aufgenommener Filme könnte daher den Großteil der Akquisitionen, der Finanzierung und der Werbemittel auf sich ziehen. Weniger sichtbare Filme benötigen möglicherweise anhaltenden Festivalrückenwind, um Käufer und Kinobetreiber zu erreichen.
In den folgenden sechs bis zwölf Monaten könnte ein Film mit People’s-Choice-Auszeichnung und Rückenwind für die Preisverleihungssaison die Vergabe von Kinosälen und die Ausgaben für Kampagnen beeinflussen. Diese Wirkungskette würde unterbrochen, wenn Käufer ihre Akquisitionen begrenzen, die Reaktionen schwach ausfallen oder der Siegerfilm außerhalb des Festivals wenig Anziehungskraft besitzt.
Szenarien
Unsere Prognose (informierte Spekulation): Am wahrscheinlichsten ist ein konzentrierter Markt, in dem eine kleine Gruppe von Premieren mit prominenter Besetzung oder besonders starker Resonanz den Großteil der Aufmerksamkeit der Käufer auf sich zieht.
Am wahrscheinlichsten: Wenn Käufer zahlreich teilnehmen, weiterhin aber deutlich zwischen den Titeln unterscheiden, werden mehrere hochkarätige Filme Vertriebszusagen erhalten, während die Akquisitionen konzentriert bleiben. Der Film mit dem People’s Choice Award könnte dann früh in der Saison der Preisverleihungen beworben werden und Ressourcen auf einen klaren Publikumsliebling lenken.
Aufwärtsszenario: Wenn ein wenig beworbener Film dem berichteten Muster von Obsession folgt, könnte eine große Akquisition zu einem breiteren Start, weiterer Finanzierung und größerem Verhandlungsspielraum für vergleichbare Festivalentdeckungen im kommenden Jahr führen. Das setzt voraus, dass Käufer die Festivalbegeisterung in umfangreiche Zusagen für den Kinostart umsetzen.
Abwärtsszenario: Wenn das größere Programm die Aufmerksamkeit der Käufer überfordert, könnten sich Verleiher auf bekannte Stars und Regisseure konzentrieren. Weniger etablierte Filmemacher könnten weniger Verträge erhalten, und Kinobetreiber könnten in den folgenden sechs bis zwölf Monaten weniger Säle für TIFF-Entdeckungen bereitstellen.
Worauf als Nächstes zu achten ist
- Während des Festivals und in den folgenden Wochen bekannt gegebene Akquisitionsvereinbarungen, insbesondere für Filme ohne umfassende Startpläne.
- Ob der Film mit dem People’s Choice Award umfangreichere Kinostartpläne, höhere Ausgaben für Öffentlichkeitsarbeit oder Aktivitäten für die Oscar-Kampagne erhält.
- Ob ein weniger bekannter Titel innerhalb des kommenden Jahres einen bedeutenden Vertrag und anschließend einen breiteren Start oder eine Finanzierung erhält.
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